Ein Hosting-Umzug klingt nach Risiko: Website weg, E-Mails weg, Kunden verärgert. Tatsächlich ist der Umzug gut planbar, wenn die Reihenfolge stimmt. Ausfälle entstehen fast nie durch den Umzug selbst, sondern dadurch, dass jemand zu früh umschaltet.
Warum überhaupt umziehen
- Die Seite ist langsam. Billiganbieter packen hunderte Websites auf einen Server. Sie merken es abends, wenn alle gleichzeitig online sind.
- Der Support antwortet nicht. Bei einem Ausfall zählt jede Stunde. Ein Ticketsystem ohne Antwort ist kein Support.
- Der Preis stimmt nicht mehr. Viele Verträge sind im ersten Jahr günstig und danach nicht mehr.
- Der Server steht außerhalb der EU. Das ist kein Ausschlusskriterium, macht die Dokumentation für die DSGVO aber aufwendiger.
Die richtige Reihenfolge
Der entscheidende Punkt: die neue Seite läuft vollständig, bevor irgendetwas umgestellt wird. Erst kopieren, dann testen, dann umschalten.
- Kopie anlegen. Dateien und Datenbank auf den neuen Server, ohne die alte Seite anzufassen. Die bleibt online.
- Auf einer Testadresse prüfen. Formulare absenden, eine Bestellung durchspielen, Bilder und interne Links kontrollieren.
- Wartezeit im Adressbuch verkürzen. Die sogenannte TTL sagt Anbietern weltweit, wie lange sie sich die alte Serveradresse merken dürfen. Einen Tag vorher auf wenige Minuten gesetzt, wechselt später fast alles sofort statt über Stunden verteilt.
- Umschalten. Der eigentliche Wechsel dauert Minuten.
- Alten Server stehen lassen. Mindestens eine Woche, als Rückweg.
Das eigentliche Risiko sind die E-Mails
Die Website selbst ist unkritisch. Im schlimmsten Fall sehen einzelne Besucher für kurze Zeit noch die alte Version, und die funktioniert ja. Gefährlich wird es bei E-Mail. Liegen die Postfächer beim alten Anbieter und die Adresse wird umgestellt, landen Nachrichten plötzlich auf einem Server, auf dem es das Postfach noch gar nicht gibt. Diese Mails sind verloren, nicht verzögert.
Deshalb gilt: Postfächer zuerst anlegen, alte Nachrichten übertragen, und E-Mail und Website getrennt betrachten. Beides muss nicht beim selben Anbieter liegen.
Was oft vergessen wird
- SSL-Zertifikat auf dem neuen Server, sonst warnt der Browser die Besucher
- Weiterleitungen alter Adressen, damit die Google-Platzierungen erhalten bleiben
- Automatische Backups und zeitgesteuerte Aufgaben neu einrichten
- Zugangsdaten für Zahlungsdienste und Schnittstellen kontrollieren
Wie lange dauert das
Eine normale Firmenwebsite: etwa ein halber Tag Arbeit, verteilt auf zwei Tage wegen der Wartezeit im Adressbuch. Ein Shop mit laufenden Bestellungen braucht mehr Vorbereitung, weil ein Zeitfenster gefunden werden muss, in dem keine Bestellung verloren geht.
Wenn Sie umziehen wollen und nicht sicher sind, was in Ihrem Fall alles daranhängt: schicken Sie uns Ihren jetzigen Anbieter und die Domain. Wir sagen Ihnen vorab, worauf zu achten ist und ob mit Ausfallzeit zu rechnen ist.